Category Archives: Verkehrspolitik

Verkehrswende jetzt!

Wir brauchen das Fahrradland Deutschland. Jetzt! Der ADFC setzt sich dafür ein, dass Deutschland zum Vorreiter in Sachen Radverkehr wird.

Es sind noch zwei Tage bis zur Bundestagswahl  aber wir glauben nicht, dass es reicht, einmal alle vier Jahre ein Kreuzchen zu machen, um die Städte (die Welt 🙂 ) von Autos zu befreien. Deshalb – unter anderem – fahren wir jeden letzten Freitag im Monat zusammen durch die Straßen von Berlin.

Vor knapp drei Jahren, am 19. Dezember 2014, schrieben wir, dass es starke Forderungen braucht, die mit Nachdruck vertreten werden müssen, um Politik und Verwaltung in Sachen Verkehrspolitik endlich zum Umdenken und Handeln zu bewegen.

Die Kritik richtete sich damals gegen DEN Interessenverband der Radfahrenden, den ADFC. Inzwischen hat sich der Verband erstaunlich bewegt, und jetzt ein Zehn-Punkte-Programm aufgestellt, das höchst ambitioniert ist und das wir mit Nachdruck unterstützen.

Bis jetzt haben knapp 18.000 Frauen, Männer, Kinder unterschrieben. Das ist zu wenig! Hej, Leute, wo seid ihr?! Allein bei Facebook haben wir mehr als 21.000 Follower. Der ADFC knapp 140.000 Mitglieder. Sind das alles Karteileichen?

Wenn nicht, dann steigt mal kurz vom Sattel und unterstützt das Zehn-Punkte-Programm – mit eurer Unterschrift und indem ihr fleißig postet, twittert und Freunde und Familie informiert. Damit nach der Wahl klar ist, dass Verkehr nicht nur (E-)Autos sind.

Radland jetzt!

Zum Beispiel: Medellín

Eigentlich ist das hier ja der Blog der Critical Mass Berlin. Aber wir schauen auch gern über den Tellerrand. Vor allem wenn es um Ideen für eine autofreie urbane Zukunft geht.

Vor ein paar Tagen gab es hier auf dem Blog einen Kommentar von einem Stuttgarter, Vater von drei (kleinen) Kindern, der am Stadtrand auf einem „Berg“ wohnt, 100 Höhenmeter über Innenstadtniveau. Die 8-15% Steigung sei den zwei älteren, bereits Rad fahrenden Kindern nicht zuzumuten, schrieb der Mann. Auch wenn wir bei zwei Kilometer Strecke auf 100 Höhenmeter nur auf eine durchschnittliche Steigung von 5% kommen, die den Kindern vielleicht zuzutrauen wäre, wir wollen uns da nicht einmischen. Warum aber, statt für den Transport von Menschen und Gütern als einzige Möglichkeit wieder nur ans Auto zu denken sein soll, will uns nicht in den Kopf. Schauen wir also aus der deutschen Dieselmetropole, wo grüne Spitzenpolitiker „Benzin im Blut haben“, mal über den Atlantik hinweg nach Kolumbien, nach Medellín.

Metrocable Linie K über der Calle 107 im August 2007. – Man beachte auch die Aufteilung des darunterliegenden Straßenraums: Fußweg, einspurige Straße, breiter Fußweg mit Einbuchtungen zum Ausweichen bei Gegenverkehr und zum Halten von Fahrzeugen. Keine Parkspur.

Read Full Post…

„Radgesetz statt Rumdieseln!“

Unter diesem Motto findet kommenden Samstag, 16. 9., eine Woche vor der Bundestagswahl, die 17. Kreisfahrt des ADFC statt. Die Route führt auf ca. 36 km einmal um das Berliner Stadtzentrum herum. 

Start 14 Uhr, Brandenburger Tor (Pariser Platz = Ostseite)
Ziel 17 Uhr, Brandenburger Tor (Platz des 18. März = Westseite)

Strecke U Hallesches Tor (14.15), U Kottbusser Tor (14.25), S+U Warschauer Str. (14.40), U Frankfurter Tor (14.45), S Landsberger Allee (14.55), S Prenzlauer Allee (15.10), S Bornholmer Str. (15.30), U Osloer Str. (15.40), U Seestr. (15.50), S+U Westhafen (16.05), U Turmstr. (16.15), U E.-Reuter-Platz (16.25), U Ku’damm (16.35)

Read Full Post…

Schnellfahren – ein Kavaliersdelikt, Fahrlässigkeit oder Mord?

In der „Zeit“ vom 8. Dezember 2016 findet sich im Dossier eine lange Recherche zu dem illegalen Autorennen auf dem Ku’damm in der Nacht zum 1. Februar 2016, bei dem der Fahrer einer der beiden beteiligten Wagen in einen von rechts kommenden Jeep raste und dessen Fahrer tötete.
Am Ende des langen Artikels wird danach gefragt, ob die illegalen Autorennen, die nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Städten und auf Landstraßen immer wieder stattfinden, nicht auch darauf zurückzuführen sind, dass Geschwindigkeitsübertretungen in Deutschland noch immer als Kavaliersdelikt gelten – und nicht als gemeingefährliches Verhalten. Und die Verkehrspsychologin Birgit Kaulbach wird zitiert: Illegale Autorennen seien in Deutschland nur die Spitze eines Eisbergs. „Die sehr kleine Spitze eines sehr großen Eisbergs.“

Read Full Post…

12 Kriterien für gute Radverkehrspolitik

Welche Voraussetzungen braucht es für funktionierenden Radverkehr? Reicht es, dass immer mehr Leute aufs Rad steigen? Oder ist ein klares Bekenntnis der politisch Verantwortlichen notwendig, damit Städte fahrradfreundlicher werden?

„Transport for London“ hat sich 2014 in sechzehn Städten umgesehen, um von anderen zu lernen. Das Ergebnis liegt jetzt als umfangreiche Studie* mit guten Analysen und vielen Bildern vor. Außerdem gibt es eine Zwölf-Punkte-Liste mit Kriterien für eine gute Radverkehrspolitik. Je mehr davon in einer Stadt zutreffen, desto sicherer ist, dass die Stadt radfahrerfreundlich ist und etwas für den Ausbau und die Förderung des Radverkehrs tut.

Radfahren in Kopenhagen
Radfahren in Kopenhagen

Sicher geradeaus?

leitfaden_sicher_geradeaus_Titel

Es tut sich was in Berlin – wenigstens auf dem Papier. Im Mai hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin unter Federführung von Projektleiter Burkhard Horn einen „Leitfaden zur Sicherung des Radverkehrs vor abbiegenden Kfz“ herausgegeben. Nach den vielen (schweren) Unfällen in den letzten Wochen ist eine Studie, die die Ursachen analysiert, systematisiert und Vorschläge zur Verbesserung der gegenwärtigen Situation unterbreitet, zu begrüßen.

Neben einer kurzen Einschätzung des Status quo finden sich in dem Papier Empfehlungen für eine sichere Radverkehrsführung und ein ganzer Katalog an Maßnahmen, die zu einer Entschärfung der Konflikte im Kreuzungsbereich führen (könnten).

Neben guten Ansätzen gibt es natürlich auch Widersprüche, reines Wunschdenken und wieder zahlreiche Belege dafür, dass die Angst, den Kfz-Fahrern etwas wegzunehmen, groß ist. Im Falle von Sichtbehinderungen im Kreuzungsbereich würde es meist schon genügen, endlich das notorische Falschparken zu ahnden. Das wäre auch eine gute Einnahmequelle für die Bezirke.
Und dann wäre es ganz wunderbar, wenn solche Untersuchungen zukünftig in einer Sprache verfasst würden, die das Lesen etwas mehr befeuert.

Hier einige Zitate (die Fettungen sind original, die roten Markierungen von uns):

Überblick Unfallgeschehen„„
Insgesamt verunglückten in Deutschland im Jahre 2012 fast 75.000 Radfahrende, das sind knapp 20% aller im Straßenverkehr verunglückten Verkehrsteilnehmenden. Dabei wurden 406 Radfahrende getötet.„„
Die meisten Radverkehrsunfälle ereignen sich an Knotenpunkten. Entsprechend sind Unfälle beim Abbiegen und beim Einbiegen/Kreuzen die häufigsten Unfallkonstellationen, an denen Radfahrende beteiligt sind. Dabei dominieren an Knotenpunkten mit Lichtsignalanlage die Abbiegeunfälle deutlich.„„
Rechtsabbiegende Kfz sind an Abbiegeunfällen mit Radfahrenden doppelt so oft beteiligt wie linksabbiegende Kfz. Allerdings sind die Unfälle mit linksabbiegenden Fahrzeugen – vermutlich aufgrund höherer Geschwindigkeiten – im Mittel schwerer als Unfälle beim Rechtsabbiegen.„„
Bei weitaus den meisten Abbiegeunfällen sind Pkw die Unfallgegner des Radverkehrs.

Read Full Post…

Ride of Silence, 20.5.2015

11066011_449539488537787_4619661322257896691_n(Foto CriticalMass Graz, 2014)

In Berlin sind seit Jahresbeginn zwei Radfahrer tödlich verunglückt, ein weiterer erlag inzwischen seinen schweren Verletzungen. Vor allem der Unfall in der Glogauer/ Ecke Reichenberger Straße in Kreuzberg am 29. April, bei dem ein 30-jähriger Radfahrer von einem rechts abbiegenden LKW überrollt wurde und sofort tot war, hat viele von uns geschockt.

unfall_glogauer_2015-04-29_#2(Foto: Unfall an der Glogauer/ Reichenberger)

Noch am selben Abend fanden sich etwa 70 FahrradaktivistInnen an der Unfallstelle ein, um mit einer Mahnwache des ums Leben Gekommenen zu gedenken.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

(Fotos: Stephan Lindauer)

Rechtsabbiegende PKW/LKW, die geradeaus fahrenden RadfahrerInnen die Vorfahrt nehmen, sind die HÄUFIGSTE Unfallursache. 2014 registrierte die Berliner Polizei 1.595 solcher Fälle, vier Radfahrer starben.

Um an RadfahrerInnen zu erinnern, die im Verkehr (schwer) verletzt oder getötet wurden, um für eine bessere, sicherere Verkehrsinfrastruktur für RadfahrerInnen zu demonstrieren und um eine klare Botschaft an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung zu richten, findet seit 2003 jedes Jahr am dritten Mittwoch im Mai der RIDE OF SILENCE statt – mittlerweile in über 300 Städten auf der ganzen Welt.

Auf Initiative von Daniel Doerk aus Osnabrück, der den Fahrradblog itstartedwithafight betreibt, wird es dieses Jahr auch in zehn deutschen Städten einen RIDE OF SILENCE geben. Außer in Berlin noch in Freiburg, Hamburg, Hannover, Köln, Nürnberg, Oldenburg, Osnabrück, Stuttgart und Wiesbaden. Außerdem gibt es „Zubringer“ von Potsdam nach Berlin sowie von Ludwigsburg nach Stuttgart.

In Berlin beginnt der RIDE OF SILENCE um 19 Uhr am Brandenburger Tor.
Auf einer ca. 20 Kilometer langen Strecke geht es von dort über Tiergarten, Schöneberg, Kreuzberg, Friedrichshain nach Mitte zum Roten Rathaus. Es soll 5 bis 10 Stopps an Stellen geben, wo RadfahrerInnen ums Leben kamen.

Geplanter Streckenverlauf des Ride of Silence Berlin am 20. 05. 2015, via Initiative clevere Städte
Geplanter Streckenverlauf des Ride of Silence Berlin am 20. 05. 2015, via Initiative clevere Städte

Die Veranstalter bitten alle TeilnehmerInnen darum, sich während der Fahrt, Anlass und Namen des Rides entsprechend, möglichst leise zu verhalten.
Um die Botschaft der gemeinsamen Fahrt dennoch für Zuschauende verständlich zu machen, wäre es schön, alle würden über ihrer normalen Kleidung weiße T-Shirts oder andere weiße Kleidung tragen (etwa weiße Maleranzüge), bedruckt mit dem Logo des RoS oder dem Hashtag #StopKillingCyclists.
Ein weiterer Vorschlag ist, am Lenker eurer Räder eine schwarze Trauerbinde anzubringen. Und natürlich wäre es schön, an den Unfallstellen Blumen niederzulegen.

Die Tour ist als Demo angemeldet – also keine Critical Mass – und wird u. a. von der Fahrradstaffel der Polizei begleitet.

mitRADgelegenheit bietet in Berlin und von Potsdam aus die Möglichkeit, bereits gemeinsam zum Startpunkt zu fahren.
https://de-de.facebook.com/events/1598010277138123/
11147170_351520541711112_8035326342152897666_n
Ergänzung: => Moabit => U Turmstr. (Ecke Stromstr.) 18:40 Uhr
Weitere Rides of Silence in D 
Freiburg i. Br.: 19 Uhr, Stadttheater Freiburg, Strecke: 12 km
https://www.facebook.com/events/993758660634193/
Hamburg: 19 Uhr, Fischmarkt, 19.30 Die-in am Fischmarkt, danach Abfahrt, Strecke: ca. 25 km, führt an 6 Unfallorten vorbei, wo angehalten und mit einer Schweigeminute der Toten gedacht wird
https://www.facebook.com/events/434823093365932/
Hannover: 19 Uhr, Klagesmarkt
https://criticalmasshannover.wordpress.com/2015/05/04/ride-of-silence-20-mai/
Köln: 19 Uhr, Hahnentorburg Rudolfplatz 1
https://www.facebook.com/events/976505455702487/
Nürnberg: 19 Uhr, Opernhaus, Strecke: ca. 15 km
https://www.facebook.com/events/1584738161797135/
Oldenburg: 19 Uhr, Ghostbike am ZOB, Endpunkt: Schützenhofstraße/ Ecke Bremer Straße, dort wird ein Ghostbike für den 2013 von einem LKW überrollten Radfahrer aufgestellt
https://www.facebook.com/events/444135512429220/
Osnabrück: 19 Uhr, Stadthalle Osnabrück, Strecke: 8 km mit 6 Punkten, an denen RadfahrerInnen getötet wurden
http://itstartedwithafight.de/2015/04/28/ride-of-silence-2015/
Stuttgart: 19 Uhr, Marienplatz, Strecke: 12-15 km
https://criticalmassstuttgart.wordpress.com/
MitRadStuttgart bietet einen Zubringer aus Ludwigsburg und eventuell mehr: http://mitradstuttgart.de/mitradgelegenheit/2015/05/20/ride-of-silence-stuttgart.html
Wiesbaden: 19 Uhr
weitere Infos per E-Mail über http://www.rideofsilence.org/locations-international.php?i=Germany#Germany

Zur Verwendung des Hashtags StopKillingCyclists‬

Nach jedem schweren Verkehrsunfall mit Fahrradfahrer*innen die gleichen Reflexe:
Der Schwächere ist zwar für immer von den Folgen gezeichnet oder musste sogar mit dem Leben bezahlen, aber ein Großteil der Öffentlichkeit ist sofort bemüht, ihm eine Mitschuld zu unterstellen. Wenn die Mitschuld eindeutig widerlegt ist, greift man auf Vorurteile gegen Fahrradfahrer*innen als solche zurück.

Die Verwendung des Hashtags StopKillingCyclists‬ könnte als Retourkutsche gedeutet werden. Wir verwenden ihn jedoch vollkommen losgelöst von der Schuldfrage im konkreten Fall. Es geht nicht darum, den in den Unfall verwickelten Fahrzeugführer vorzuverurteilen oder pauschal alle LKW-/ PKW-Fahrer*innen zu verunglimpfen. Wir wissen, jede/r Autofahrer*in ist potenziell auch Fußgänger oder Fahrradfahrerin. Read Full Post…

Hörtipp: Michael Cramer redet Tacheles

Gestern sprach Michael Cramer, Mitglied des Europäischen Parlaments für die GRÜNEN, Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr und Tourismus (TRAN), Vorsitzender des fraktionsübergreifenden Diskussionsforum „Rail Forum Europe“, Tacheles im Deutschlandradio Kultur.

Michael Kramer_drk

Es ging um Verkehr in Berlin, Deutschland und Europa – warum die Straße mit Milliarden gefördert und die Schiene, vor allem die Verbindungen zwischen Mittel- und Osteuropa und der Nahverkehr, so sehr benachteiligt wird.
Unser Tipp: Anhören!

Sit-in bei der CM

Gestern kam es im Kreuzungsbereich Kochstraße/Rudi-Dutschke-Straße/Friedrichstraße zu einem Verkehrsunfall, bei dem eine 29-jährige Radfahrerin von einem rechts abbiegenden LKW überrollt und an den Beinen schwer verletzt wurde.
(s. Polizeimeldung vom 26.03.2015, Nr. 0748)

((Fotos via https://de-de.facebook.com/pages/Polizeireporter-Th-Schröder/198815476848851))

Das „Übersehen“ von Radfahrern/Fußgängern durch abbiegende LKW ist eine der Hauptursachen für schwere Verletzungen und tödliche Unfälle in dieser Gruppe (s. Grafik unten). Von Seiten der Politik geschieht nichts: Weder gibt es in Deutschland ein LKW-Verbot in Innenstädten (wie in anderen Ländern) noch eine Pflicht zu Assistenzsystemen, die den Toten Winkel einsehbar machen würden.

Wir würden morgen bei der Critical Mass gern an der Stelle stoppen und ein Sit-in abhalten.
Vorschlag: Vom Mariannen-/bzw. Heinrichplatz direkt zur Unfallstelle, dort Sit-in mit Protestklingeln, dann fünf Minuten Stille. Mit Kreide können Räder und Körpersilhouetten ummalt werden. (Wie nach Unfällen üblich, s. Foto.) Und dann weiter als CM, Route wie immer offen.
Sit-ins waren in den Niederlanden in den 1960ern der Schlüssel zum Change Richtung mehr Radverkehr.
Read Full Post…

Zum Beispiel: Wien

logo_fahrradwien

In Wien boomt der Radverkehr. Die automatischen Zählstellen haben 2014 bis zu 24% mehr Radfahrer*innen als im Vorjahr gezählt (ja, Wien hat Zählstellen!). Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou sagt dazu: „Die Wienerinnen und Wiener entdecken das Fahrrad als ihr Verkehrsmittel. Für die Stadt ist diese Entwicklung zu begrüßen: Mehr Radverkehr bedeutet weniger Abgase, weniger Stau und mehr Spaß und Bewegung.“

Mehr Radverkehr bedeutet weniger Abgase, weniger Stau und mehr Spaß und Bewegung.

Aber die Wiener und Wienerinnen werden von ihrer Stadt auch nicht allein gelassen. Die österreichische Hauptstadt fördert den Radverkehr durch den Ausbau einer fahrradgerechten Infrastruktur. Das zeigt Wirkung und bringt Anerkennung: 72 Prozent der Radfahrer*innen geben im „Fahrrad-Report 2014“ der Mobilitätsagentur Wien an, dass sich die Bedingungen für das Radfahren verbessert haben. Aber das ist erst der Anfang.

Im Stadtentwicklungsplan „Step 2025“ wurden von der rot-grünen Stadtregierung ambitionierte Ziele formuliert. In zehn Jahren sollen die Wiener 80% der Wege mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, auf dem Rad oder zu Fuß zurücklegen. Nur noch 20% würden dann auf den motorisierten Individualverkehr entfallen. Heute sind es noch 27%. Um die gesetzten Ziele zu erreichen, sollen ÖPNV und Radwegenetz ausgebaut und die Gehwege verbreitert werden. Ein interessanter Ansatz ist auch die „Beibehaltung von Sperren nach Baustellen“. „Ein Teil der Novaragasse im 2. Bezirk musste aufgrund des U-Bahn-Baus für fünf Jahre geschlossen werden. Nach den Bauarbeiten haben wir sie nicht mehr aufgemacht und niemand hat sich aufgeregt“, sagte Gerhard Kubik von der SPÖ.

Da bieten sich für Berlin ganz neue Chancen: Unter den Linden, Invalidenstraße, Straße des 17. Juni, Turmstraße, Hardenbergstraße, Skalitzer … – könnten alles Fahrradstraßen mit breiten Gehwegen werden.

Wie war das jetzt mit dem Radwegenetzplan der Grünen für Berlin …

Die Grünen im Wahlkampf – leider immer noch mit wenig ambitionierter Verkehrspolitik

Der Wahlkampf fürs Abgeordnetenhaus 2016 hat begonnen. Und wie es aussieht, wollen die Grünen mit einer ambitionierteren Verkehrspolitik punkten. Stefan Gelbhaar, Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen und Sprecher für Verkehrspolitik, war gestern Gast bei TV Berlin in der Sendung Brinkmann & Asmuth.

Eine knappe halbe Stunde ging es um Radverkehr in Berlin. Stefan Gelbhaar war sehr lieb, stellte u.a. den Plan der Grünen, zwei (!) Straßen – eine West-Ost-, eine Nord-Süd-Achse – für den (Schnell-)Radverkehr auszubauen, vor, dafür sollen dann Querparkplätze in Schrägstellung gebracht werden, nicht etwa wegfallen, denn den Autofahrern darf ja nichts weggenommen werden.

Liebe Leute bei den Grünen: Wann kapiert ihr, dass ihr den Radverkehr nur voranbringen werdet, wenn ihr für Radverkehr, d. h. gegen motorisierten Individualverkehr seid, egal ob stehend oder fahrend? Mit welchem Recht dürfen Autos zwei Drittel des öffentlichen Straßenraums einnehmen, obwohl sie Emissionen und Lärm verursachen, Sicht- und Bewegungshindernisse bilden, für Tausende Unfälle verantwortlich sind, extreme Kosten verursachen für Straßenbau und -erhalt, Gesundheit, Umwelt? Und nur ein Drittel des Verkehrsaufkommens ausmachen?

Das verstehen von denen, die Rad fahren, mit dem ÖPNV unterwegs sind oder zu Fuß gehen, immer weniger. Zwei Drittel der Haushalte in Berlin verfügen über keinen eigenen Pkw. Das wären eure Wähler*innen. Eine satte Mehrheit.

Ich würde übrigens den Moderator Gereon Asmuth von der taz wählen. Der hat verstanden, dass Verhältnisse wie in Kopenhagen nur bekommt, wer mit einem Radwegenetz ein Netz und nicht zwei Straßen meint. Und der keine Angst vor Autofahrer*innen hat.

Morgen ist Critical Mass. 20 Uhr, Mariannenplatz. See you on the streets of Berlin.

Morgen, 26. 2.: Pressekonferenz Polizeipräsident Berlin und Senatsverwaltungen für Inneres … Stadtentwicklung und Umwelt

Der Polizeipräsident in Berlin und die Senatsverwaltungen für Inneres/Sport sowie Stadtentwicklung/Umwelt laden zur Pressekonferenz zum Thema Verkehrssicherheit ein

Der Polizeipräsident Klaus Kandt, der Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Bernd Krömer, der Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Christian Gaebler, sowie der Sachbereichsleiter Verkehr der Polizei Berlin, Andreas Tschisch, geben einen vorläufigen Überblick über die Verkehrssicherheitslage des Jahres 2014, ziehen eine Bilanz der Verkehrsunfälle und stellen die Schwerpunkte der Verkehrssicherheitsarbeit vor.
morgen, 26. Februar 2015, 10.00 Uhr

„Medienraum“, Polizeipräsidium am Platz der Luftbrücke 6, Tempelhof
Moderation: Kriminaldirektor Stefan Redlich, Pressesprecher der Polizei Berlin

Anmeldung bei der Pressestelle der Polizei Berlin bis 25.02.2015 unter der Rufnummer (030) 4664 – 90 40 90

Internet: www.polizei.berlin.de/presse-fahndung/presse.html

Falschparken in Deutschland – der Status quo (1)

Folge 1: Berlin-Moabit, Berlin-Mitte und Berlin-PB, 22.12.2014, zwischen 12 und 14 Uhr:

Wir würden gern eine kleine Serie starten, mit Fotos von unseren schönen Straßen, Kreuzungen und Plätzen voller (falschparkender) Pkw und Lkw. Wer Lust hat, schicke Bilder an: kontakt@criticalmass-berlin.org.
Nicht nur aus Berlin, sondern aus allen deutschen Städten und Gemeinden.
Ein Status-quo-Bilderbogen.

Wer mehr Radverkehr will, muss deutlich sagen, dass er einen Gegner hat: das Auto

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Es wird diskutiert. Im adfc, mit dem adfc. Darüber freuen wir uns.
Denn wir brauchen mehr Öffentlichkeit. Eine Diskussion darüber, wie wir leben wollen. In den Städten und auf dem Land.

(Dass hier auf dem Blog eher aus einer großstädtischen Perspektive, und zwar der Berliner, geschrieben wird, ist klar und keine Arroganz, es ist der Blog der CM Berlin. Hier kennen wir uns am besten aus, sehen die Fortschritte und wissen um die vielen, vielen Probleme. Das bitte beim Weiterlesen im Kopf behalten.)

Der größte Fortschritt, den der Radverkehr in den letzten Jahren gemacht hat, ist seine Zunahme am Gesamtverkehrsaufkommen. Für Berlin bedeutet das: Ohne dass die Stadt sonderlich viel unternommen hätte, sei es bei der Finanzierung, der Bildung oder gar einem Nachdenken darüber, wie Berlin wirklich eine Fahrradstadt werden könnte, fahren immer mehr Menschen Rad. Das ist erstaunlich, denn es wird ihnen nicht gerade leicht gemacht.

Sie tun es trotzdem. Und zwar nicht, weil es gesund, ökologisch und ressourcenschonend ist – sondern weil Radfahren billig ist und man auf dem Rad am schnellsten vorankommt. Und weil es Spaß macht. Sogar bei solchem Wetter wie gerade: Mordswind und Schneeregen. Wer da in seinen klatschnassen Klamotten nicht in die Kapuze lacht und, während die Finger wieder auftauen, seine Lebendigkeit spürt …

Die spürt man auch, als etwas sehr Kostbares, wenn einem mal wieder die Vorfahrt genommen wurde. Von den Verkehrsteilnehmern, die die Radfahrer*innen am meisten behindern, bedrohen, verletzen, töten: den Autofahrer*innen. Aber wer so spricht, wer klar sagt, wer der Hauptgegner des Radverkehrs ist, macht sich gegenüber Politik und Verwaltung lächerlich und kann unmöglich ernst genommen werden.

Read Full Post…

Der adfc und die Petition gegen Falschparken: Warum wir starke Forderungen brauchen

ADFC-Logo1-290x290Die von der Initiative für clevere Städte initiierte Petition „Machen Sie das Zuparken teurer, Herr Verkehrsminister!“ sorgt im Interessenverband der Radfahrerinnen und Radfahrer, dem adfc, für lebhafte Diskussionen.
Nachdem der Bundesvorstand in einem intern verschickten Newsletter gegen die Unterstützung der Petition Stellung bezogen hat, diskutieren jetzt die Landes- und Kreisverbände über das Thema. Einige unterstützen die Petition, andere haben keine offizielle Verlautbarung, wieder andere haben sich gegen das Unterzeichnen der Petition ausgeprochen.

Ein Argument, dem man beim adfc häufig begegnet, ist: Das lässt sich politisch nicht durchsetzen, wenn wir das fordern, werden wir von Bundespolitik, Landespolitik, Kommunalpolitik nicht ernst genommen. Viele Mitglieder sind über diese Haltung frustriert. Sie wünschen sich mehr Biss, mehr eigene, klar formulierte Forderungen, Aktionen, die auf Missstände hindeuten. Und vielleicht auch: die große Vision! Nicht das Ausmessen von Radwegebreiten und Schlaglöchern, sondern ein selbstbewusstes Campaigning für die Rechte und den Schutz von Radfahrer*innen (und Fußgänger*innen). Bei Diskussionen, die ich mit vielen adfclern geführt habe, war die Hauptforderung klar: mehr Sicherheit beim Alltagsradeln => d.h. Tempo 20-30 als Regelgeschwindigkeit in Städten, autofreie Schulwege, sichere Abstellplätze für Fahrräder, Abbau von Ampelanlagen etc. zugunsten von Shared Space und Kreiseln, SUV-Verbot in Innenstädten, Pendlermaut, hohe Bußgelder für Gefährdung von nicht durch Karosserien geschützte Verkehrsteilnehmer*innen, gewinnbringende, wenigstens kostendeckende Parkraumbewirtschaftung. Und: weniger Autos, weniger Autos, weniger Autos.

Warum knickt der Verein, der 140.000 Mitglieder hat und jedes Jahr die – nach Selbstauskunft – größte Fahrraddemo der Welt auf die Räder bringt, dermaßen ein, wenn es um Haltung gegenüber einer autoverrückten Politik geht?
Die Menschen in den Städten, in denen ein Drittel (Nürnberg) bis die Hälfte (Berlin) aller Haushalte KEIN Auto hat, wollen anders leben – ohne zugeparkte Plätze und Straßen, ohne Emissionen, klimaschädliche Abgase, Lärm und die beständige physische Bedrohung, die von stehenden wie fahrenden Fahrzeugen ausgeht. Denn ja, auch parkende Pkw besetzen nicht nur unverhältnismäßig viel öffentlichen Raum, der anders, besser genutzt werden könnte, sondern sind gefährliche Sicht-und Bewegungshindernisse.
Read Full Post…

City-Hack auch in Nürnberg

Nürnberg_City-Hack_2014
Nürnberg_City-Hack_2014

Auch in Nürnberg mangelt es an Radwegen. Bzw. an Durchfahrten für Radfahrer*innen. In Fahrradstraßen, die die Stadt freundlicherweise schon eingerichtet hat. Zu denen sie dann die Zufahrt aber nicht nur für den Auto-, sondern auch den Radverkehr sperrt. Warum?

Read Full Post…

City-Hack in Rom

Eine Form, der Radverkehrsförderung in die Spur zu helfen, ist der City-Hack.

ROM_City-Hack_Bibiana-Tunnel

Fahrradaktivist*innen in Rom haben am 30. November die Farbeimer und Radschablonen selbst in die Hand genommen, um auf einer der mörderischsten Straßen der Stadt, im S.-Bibiana-Tunnel, der Unterquerung der Gleisanlagen des Hauptbahnhofs Termini, die die Stadtteile Esquilin und S. Lorenzo miteinander verbindet, Tatsachen zu schaffen.
Jahrelange Versuche, mit der Stadtverwaltung ins Gespräch zu kommen, fruchtlose Treffen und zahlreiche ungehörte Appelle waren der Aktion vorausgegangen. Auch ein Bericht in der renommierten Tageszeitung „La Reppublica“ hatte nichts gebracht. Read Full Post…